Kammerkonzert Sonderkonzert

Florestan-Quartett

Konzert zum 9. November

Beschreibung

Franz Schubert
Quartettsatz c-Moll D 703

Erwin Schulhoff
Streichquartett Nr. 1

Dmitri Schostakowitsch
Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110

 

Auch 75 Jahre nach Kriegsende hat der 9. November nichts von seiner ambivalenten, besonderen Bedeutung eingebüßt: Besonders die Reichspogromnacht des Jahres 1938, die die Schrecken des Zweiten Weltkriegs vorausnehmen und – spätestens dann – den eigentlichen und menschenverachtenden Charakter der Nazi-Regierung offenbaren sollte, wirkt bis heute nach und verdient ein nachdrückliches „Nicht vergessen!“, umgesetzt in einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Musik und adäquaten Texten, gelesen von Schauspielerin Carmen Priego.
Ziemlich genau vor 200 Jahren schrieb Franz Schubert seinen Quartettsatz c-Moll in einer Zeit, die als „Krisenjahre“ in seiner Biografie notiert ist. Ohne bekannten Anlass und vier Jahre nach dem letzten vorangegangenen Streichquartett gelang Schubert ein bemerkenswert experimentelles Stück Musik, das in puncto Stil und Ausdruckssphäre seine drei letzten großen Streichquartette bereits anklingen ließ.
Erwin Schulhoff, in Prag geboren, sog die musikalische Aufbruchsstimmung der „Goldenen Zwanziger“ mit allen Poren auf. Dadaismus, Expressionismus, Jazz und Neoklassizismus begeisterten ihn gleichermaßen. Als er 1924 aus Dresden, wo er fünf Jahre gelebt hatte, nach Prag zurückkehrte, setzte er sich für die Musik der Zweiten Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern) ein und schrieb neben anderem sein erstes Streichquartett. Slawische und osteuropäische Klänge hatten in seine nunmehr reife und eigenständige Musiksprache Eingang gefunden. Erwin Schulhoff wurde in Prag gefangen genommen und starb 1942 im KZ Wülzburg/Bayern.
Dmitri Schostakowitsch war durch seine Biografie eng mit dem Stalin-Regime assoziiert; er galt lange Zeit als „kompositorisches Aushängeschild“ der noch jungen Sowjetunion. Da er „hinter den Kulissen“ durchaus die Dynamik dieser Diktatur zu spüren bekam und wie Millionen andere während der „Großen Säuberungen“ der Dreißigerjahre um sein Leben bangen musste, da er zudem den Zweiten Weltkrieg im von der Wehrmacht belagerten (und ausgehungerten) Leningrad erlebte, fühlte er sich als Künstler alsbald den Opfern von Krieg und Faschismus eng verbunden. 1960, es waren die Zeiten des „Tauwetters“, durfte Schostakowitsch einige Wochen im Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz zubringen und schrieb innerhalb von drei Tagen sein achtes Streichquartett. Seinem Duktus nach ist dies ein Werk, in dem der Komponist eine zutiefst trauernde, bekenntnishafte Ebene zu transportieren scheint, zugleich kennzeichnen diverse Motive es als ein autobiographisch konnotiertes Quartett. Ob sich dies etwa widerspricht oder nicht vielmehr aus demselben Sinn heraus konzipiert ist, tut der Intensität dieses Streichquartetts keinen Abbruch.
Das Florestan-Quartett, benannt nach einer Figur aus Schumanns Klavierzyklus Davidsbündler Tänze, besteht als Ensemble seit 1992. Seine Mitglieder gehören den Bielefelder Philharmonikern und der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford an und haben es sich zur Aufgabe gemacht, neben den bekannten Streichquartetten auch Werke abseits des gängigen Repertoires vorzustellen.

Kurzinfo

Veranstalter
Bielefelder Philharmoniker (Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld)

Erster Termin war am
Mo. 09.11.2020
Spielort
Rudolf-Oetker-Halle, Kleiner Saal
Lampingstr. 16
33615 Bielefeld
Anfahrt
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