Neue Wege – Bühnen und Orchester erhalten Profilförderung vom Land NRW

Die Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld gehören zu den 13 kommunalen Theaterbetrieben, die vom Land Nordrhein-Westfalen Fördermittel für die Weiterentwicklung ihrer Profile bekommen. Das Förderprogramm »Neue Wege« ermöglicht es dem Theater Bielefeld und den Bielefelder Philharmonikern im Förderzeitraum von 2019 bis 2022 in jeder Sparte groß angelegte Projekte umzusetzen.

Das Schauspiel wird unter dem Leitthema Laboratorium: Recherche, Struktur, Freiheit die Zusammenarbeit mit freien Kollektiven und KünstlerInnen ausbauen. Dabei wird die Interdisziplinarität gestärkt, werden diskursive Themenfelder aufgegriffen und in verschiedenen Formaten für die Bühne und für den Stadtraum adaptiert. Das erste Projekt wird von Regisseur Bernhard Mikeska und Autor Lothar Kittstein (Künstlerkollektiv RAUM + ZEIT) gestaltet. Dabei begeben sich die ZuschauerInnen auf einen Weg durch vergangene Zeiten und die Räume des Konzerthauses Rudolf-Oetker-Halle. Mit der zweiten Produktion möchte das Theater Bielefeld die Zusammenarbeit mit dem queerfeministischen Theaterkollektiv Henrike Iglesias ausbauen und sich mit dem Thema Alter und Frauen im Kontext von Kunst und Performance auseinandersetzen. Das dritte Projekt mit der Recherche-Theaterautorin Anne Jelena Schulte nimmt die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in den Fokus. Die Recherche widmet sich besonders den Angehörigen psychisch kranker Menschen. (Ausführlichere Informationen zum Schauspiel gibt es hier)

TANZ Bielefeld beschäftigt sich unter dem Titel D3 – Dance Discovers Digital dem Thema Digitalität. Im interdisziplinären Austausch entwickelt die Kompanie gemeinsam mit GastchoreografInnen Aufführungsformate, die Technologien wie Virtual Reality, Motion Capture und Robotik nutzen. Inhaltlich konzentriert sich das Tanzensemble auf die zunehmende Relevanz neuer Informationstechnologien im Alltag. In der ersten Neukreation befragt der Münchner Choreograf Moritz Ostruschnjak das Konfliktpotential unserer digitalen Lebenswirklichkeit und verwandelt die Bühne in ein Laboratorium für neue, intermediale Erzählformen im Tanz. Als zweites Projekt ist eine Uraufführung der spanischen Choreografin und Anthropologin Núria Guiu Sagarra geplant. Sie führt ihre Recherchen zum Verhältnis von physischer Präsenz und Digitalkultur weiter. Im dritten Projekt kooperiert TANZ Bielefeld mit der Kölner Choreografin Stephanie Thiersch. Anknüpfend an ihren Arbeitsschwerpunkt Postkolonialismus sollen auch afrikanische KünstlerInnen einbezogen werden. (Ausführlichere Informationen zum Tanz gibt es hier)

Die Sparte Musiktheater startet gemeinsam mit den Bielefelder Philharmonikern unter dem Label First Contact – Faszination Musiktheater eine Reihe, um junge Menschen partizipativ für Oper und Konzerte zu begeistern. Geplant ist, dass Kompositionsstudierende von etablierten KomponistInnnen angeleitet werden, um gemeinsam ein Stück im Kammerformat zu entwerfen. Insgesamt entstehen so drei Uraufführungen. Für die neuen Stücke werden Jugendliche in den Gestaltungsprozess und auf der Bühne eingebunden. Je internationaler ihre Biografien, desto facettenreicher das Ergebnis. Zugleich arbeitet der/die KomponistIn in Workshops mit den Bielefelder Philharmonikern an einem eigenen Werk, das im Rahmen des regulären Konzertprogramms uraufgeführt wird. Während der Arbeit zwischen KomponistIn, DirigentIn und MusikerInnen gibt es offene Proben, in denen Studierende wie Jugendliche den praktischen Aspekt des Einstudierens Neuer Musik erleben.(Ausführlichere Informationen zum Musiktheater gibt es hier)

Eines der aktuell wesentlichen Ziele der Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld ist es, die Grenzen herkömmlicher Professionalisierung zu überwinden und traditionelle Berufsbilder zu hinterfragen. Deshalb wird spartenübergreifend das »Bielefelder Studio« gegründet. In ihm können sich drei junge KünstlerInnen aus den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel jeweils eine Spielzeit lang weiterbilden und -entwickeln. Die Mitglieder des Studios werden in die geförderten Projekte eingebunden. Parallel finden ein Mentoringprogramm und Workshops statt.