Sonderkonzert

90! Herzlichen Glückwunsch, Rudolf-Oetker-Halle

Beschreibung

Johannes Brahms
1. Symphonie c-Moll op. 68, daraus
III. Un poco Allegretto e grazioso

Johann Sebastian Bach
Passacaglia c-Moll

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre Nr. 3 zur Oper Leonore

Am 31. Oktober 1930 war es soweit: Die Stadt Bielefeld konnte eine neue, große Musikhalle eröffnen, die insbesondere den Bedürfnissen des Städtischen Orchesters (der heutigen Bielefelder Philharmoniker) und des Musikvereines angepasst wurden. Fünfeinhalb Jahre zuvor hatte der damalige Fabrikant und Teilhaber der Firma Dr. August Oetker, Dr. Richard Kaselowsky im Gespräch mit Oberbürgermeister Stapenhorst erstmals die Vision einer solchen Musikhalle skizziert und damit den Grundstein für ihre Finanzierung gelegt. Ihr Namensträger Rudolf Oetker, Sohn des Firmengründers, war sehr musikbegeistert und kannte aus eigener Erfahrung die unzulängliche Konzertsaalsituation Bielefelds zu Beginn des 20. Jahrhunderts, deren größte Option ein Saal für 400 Zuschauer*innen im Gesellschaftshaus Eintracht am Klosterplatz war. Gegenüber seinem Schulfreund Kaselowsky soll Rudolf Oetker geäußert haben, er wolle später dafür sorgen, dass seine Vaterstadt endlich zu einer vernünftigen Konzerthalle komme. Rudolf Oetker fiel im Ersten Weltkrieg, doch seine Mutter Lina Oetker behielt seinen Wunsch im Gedächtnis und so kam es zur Realisierung und Benennung dieses großen Vorhabens. Es krönte nicht zuletzt auch die unermüdliche Arbeit des Bielefelder Musikdirektors Wilhelm Lamping, der jahrzehntelang das Musikleben der Stadt geprägt hatte; er konnte den Eröffnungsabend nicht mehr miterleben, da er 1929 bereits verstorben war. Die musikalische Leitung desselben übernahm Intendant Max Cahnbley.

Das Programm des Jubiläumskonzerts zum 90. Jahrestag zitiert das Programm der Eröffnung an jenem 31. Oktober 1930, wenn es auch naturgemäß derzeit etwas schlanker ausfallen muss. Mit Brahms, Bach und Beethoven berief man seinerzeit drei der »Gründerväter« der mitteleuropäischen Musikgeschichte aus den Epochen Barock, Klassik und Romantik. Wohl nicht ganz zufällig wählte man mit Beethoven und Brahms zwei Persönlichkeiten aus, deren Hauptwerke mit Europas Musikhauptstadt Nummer eins – Wien – assoziiert werden, die aber aus Deutschland stammten. Für seine einzige vollendete Oper Fidelio schrieb Beethoven nicht weniger als vier Ouvertüren, beredtes Zeugnis seines überlieferten Dranges, seine Musik so lange zu korrigieren, bis sie seinem hohen Selbstanspruch genügte. Die dritte Leonoren-Ouvertüre von 1806 gilt denn auch als die formal ausgereifteste der drei ersten Exemplare; sie transportiert gleichsam das Freiheitsideal der Oper, indem sie dieselbe motivisch durchläuft. Aus ähnlicher Eigendisposition tat sich Johannes Brahms lange Zeit sehr schwer, den Begriff »Symphonie« auf eines seiner Werke anzuwenden: Zu hoch schwebte das Ideal des Beethoven’schen Vorbilds über ihm. Brahms‘ Erste profitierte gewissermaßen von dieser rund vierzehnjährigen Vorsicht, nach dem Motto »Was lange währt, wird endlich gut!« Sie stellt seit ihrer Uraufführung 1876 einen Meilenstein in der Geschichte dieser Gattung dar. Ihre Aufführung zur Eröffnung ließ damit im übertragenen Sinn auch die neue Rudolf-Oetker-Halle als das perfekte Ergebnis eines komplexen, gleichwohl visionären Bauprozesses erscheinen. Mit Johann Sebastian Bachs berühmte Passacaglia c-Moll ließ der damalige Organist Prof. Heinrich Boell die seinerzeit ebenfalls neue W. Sauer-Konzertorgel erklingen, deren Prospekt bis heute die Stirnseite des Großen Saals prägt.

Zusammen mit Chefdirigent Alexander Kalajdzic erweisen die Bielefelder Philharmoniker, die die Rudolf-Oetker-Halle damals wie heute als eine nicht nur akustisch überragende Heimstatt genießen, ihr mit diesem Jubiläumskonzert einmal mehr die Ehre, zumal sie sich seit der organisatorischen Übernahme des Konzerthauses durch die Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld 2018 tatsächlich als Gastgeber fühlen dürfen.

Kurzinfo

Veranstalter
Rudolf-Oetker-Halle (Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld)

Erster Termin war am
Sa. 31.10.2020
Spielort
Rudolf-Oetker-Halle
Lampingstr. 16
33615 Bielefeld
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